Pfadfinder Enniger

Mit den Pfadfindern nach Norwegen – Wikingerlager am Todalsfjord

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Über 12 Monate der Vorbereitung und Planung liegen nun hinter uns, jetzt geht’s endlich los!

Zusammen mit dem Stamm Ahlen hatten wir uns entschlossen, unser erstes Auslandslager anzutreten. So stehen zum Fahrtbeginn 39 Pfadfinder aus beiden Stämmen und Busfahrer Heinz bereit, das Land im hohen Norden kennenzulernen. Ziel ist der Todalsfjord, rund 90km Luftlinie südlich von Trondheim. Ein Paar von uns war der Fjord bereits bekannt, denn unser Stavo Felix verweilt dort häufig auf einer seiner Angelreisen. So wussten wir im Vorfeld auch recht genau, was uns erwartet.

Ausgestattet mit sämtlichen Lebensmitteln, Zelten, einem selbst erstellten Lagerbuch und Liederheften, der üblichen Pfadfinderausrüstung und jeder Menge weiteren Materials fährt der vollgepackte Reisebus mit Anhänger am Samstagabend los.

Erstes Etappenziel ist der norddänische Fährhafen Frederikshavn. Von dort geht es mit der Stena Saga, einer Fähre auf der über 2000 Passagiere Platz finden, nach Oslo. Bereits die Fährfahrt ist spannend, schließlich ist noch nicht jeder von uns mit einem solchen „Stahlungetüm“ über das Skagerrak gedampft. In Oslo am Sonntagabend angekommen geht es weiter. Über 500km fahren wir über teils abenteuerliche Straßen, aber durch eine immer wunderschöne Landschaft weiter gen Norden. So anstrengend die Busfahrt auch ist – das Schweben zwischen Schlaf und Halbschlaf, Quatschen mit dem Sitznachbarn und die zahlreichen Pausen lassen die Zeit bis zur Ankunft schnell vergehen.

 

 

Kräftiger Regen erwartet uns am Fjord. Wir teilen uns nach Aufgabengebieten in Gruppen auf, tragen das Gepäck runter zum Fjord, bauen schnell die ersten Zelte auf, nehmen die Küche in unserer Basis, einem größeren Haus rund 150m oberhalb der Uferlinie in Beschlag.

Am ersten Tag schaffen wir es, das Lager fast komplett aufzubauen. Dazu zählen auch eine Waschstelle und Latrine, wofür wir einen kleinen Bach umleiten, die Aufenthalts- und Essjurten, ein Feuerplatz mit Windschutz, Außendusche oben am Haus, ein 16m hoher Bannermast, natürlich sämtliche Schlafzelte, bauen mehrere Bänke und Tische aus Treib- und Restholz, sammeln Feuerholz für die nächsten Tage… Zum Glück hat der Regen mittlerweile auch aufgehört und die Wolken geben den Blick frei auf die den Fjord umgebenden bis zu 1400m hohen Berge, die üppige Natur und die weiten Flächen des Meeresarmes, der sich direkt vor unserer Nase entlangschlängelt (aber mit 2km Breite und auch über 200m Wassertiefe äußerst imposant ist!). Diese in ruhige Natur gebettete Wiese wird nun unsere Heimat für die nächsten 2 Wochen!

 

Selbstversorgung stand bei der Vorbereitung ganz oben auf dem Plan. So haben wir z.B. 80 Brotbackmischungen dabei, von denen jeden Tag herrlich schmeckende Brote gebacken werden. In die den Zeltplatz umgebenden Wälder geht es zum Pilzesammeln, Abends bricht immer eine Gruppe auf, um beim Bauern frische Milch zu holen, an den vielen Hecken wachsen zudem beste Himbeeren, die wir zu Marmelade verarbeiten und im Fjord vor uns schwimmen genug Fische, um ein paarmal leckere Filets zu braten, am Lagerfeuer auf ein Brett genagelt zu grillen oder im Rauchabzug der Jurte zu räuchern. Die Selbstversorgung bedeutet zwar viel Arbeit, macht jedoch jedem Spaß – und selbst gesammeltes oder gefangenes Essen schmeckt auch noch doppelt so gut. Und natürlich brutschelt und kocht das Küchenteam jeden Morgen und Abend für uns!
Die Tage verbringen wir also immer zu einem Teil mit der „Nahrungsbeschaffung“ – trotzdem bleibt noch genug Zeit für viele Spiele, für das gemeinsame Zusammensitzen am Lagerfeuer oder Fjordufer, für Angelausflüge mit dem zum Platz gehörenden Booten, für Wandertouren durch dichte Wälder, für Basteleien rund um das Thema Wikinger, für abendliche Leiterrunden, bei denen wir rund um unseren Hordentopf sitzen, indem es immer noch ein kleines Mitternachtsmahl gibt, für zahlreiche Gespräche, Schwimmen im Fjord und und und.

Die erste Wandertour führt auf unseren Hausberg, den „Asbösnytta“. Jeden Morgen wirft der steil aufragende, 619m-hohe Berg einen Schatten auf unsere Zelte, heute wollen wir uns das Fjordpanorama aber mal von ganz oben anschauen. Gemeinsam erklimmen wir nach 2 ½ Stunden den Gipfel, das klare Wetter lässt einen traumhaften Blick zu!

Zu einer längeren Wandertour fahren wir mit dem Bus nach „Karvatn“, einem am Ende des Tales, in dem unser Fjord endet liegender Bauernhof. Hier ist die Straße (eher ein Schotterweg) zu Ende und zahlreiche Wanderwege und Pättken beginnen hier, die zu einem schönen Wasserfall oder weiter in das „Trollheimen“ führen, einer wilden Gebirgsregion, die noch absolut ursprünglich ist.

Alle Pfadfinder sind mit dabei, als wir zuerst zum „Naustafossen“, dem imposanten Wasserfall gehen. Einige nutzen die Gelegenheit und nehmen ein Bad in dem eiskalten Gebirgswasser. Noch ein Gruppenfoto und es geht weiter, nur jetzt in verschiedenen Trupps. Eine Gruppe hat sich Kohtenbahnen mitgenommen, um über Nacht im Trollheimen zu bleiben und richtig Strecke zu machen. Die 10 Jungs wandern bis auf 1800m, passieren Geröllfelder, Flüsse und Gipfel, setzen ihre Fußstapfen dorthin, wo womöglich noch nie ein Mensch gewesen ist. Eine zweite Gruppe steigt ebenfalls hoch zu einem abgelegenen, glasklaren Gebirgssee. Doch der Abstieg führt durch eine extrem steile Schlucht – ob diese überhaupt zu passieren ist? Die fünf Pfadfinder schaffen es, trotz des wirklich sehr anspruchsvollen Weges. Die dritte Gruppe bleibt mit den Wölflingen unten im Tal, genießt das sommerliche Wetter und vertreibt sich die Zeit auf einer Kiesbank in der Toaa, dem Fluß, der in den Todalsfjord mündet. Wir haben heute mit Sicherheit alle in grandioser Natur echte Abenteuer erlebt – und das Wetter war auch Spitzenklasse!

„Catching the Flag“ ist auch eines der Spiele, die im dichten Wald, der eher wie ein Urwald anmutet, gespielt werden – und die Teilnehmer kaum ein Ende finden können… Danach ein kühles Bad im Fjord und gestärkt durch das Abendessen fühlt man sich wie Neugeboren.

Nur Wale haben wir leider noch nicht gesehen, und sind schon 1 Woche hier… Doch gerade als wir den aus der Heimat zugemailten Zeitungsartikel lesen, der u.a. von unseren zukünftigen „Walbeobachtungen“ berichtet, tauchen zum ersten Mal mehrere kleine Schweinswale direkt an unserem Steg auf! Schnell wird das erste Ruderboot klargemacht um mit 4 Pfadfindern möglichst leise auf den Fjord zu rudern. So können wir die Wale mit einem gewissen Abstand ein paar Meter über den Fjord begleiten.

Auch Seeadler zählen zu den Gästen aus der Natur, die wir entdecken können. Die majestätischen Flieger kreisen in der Thermik über dem Fjord und beobachten wohl ganz genau jede Fischbewegung, vielleicht auch uns?
Wie es bei einem schönen Lager immer so ist, kommt der Abschied viel zu schnell. Nach knapp 12 Tagen am Fjord begehen wir, alle im Kreis um unseren Bannermast aufgestellt, die Reflektion über die zurückliegenden Tage. Ein Eimer mit „gutem“ und ein Eimer mit „schlechtem“ Wasser stehen vor uns und jeder Pfadfinder darf etwas Wasser umfüllen, je nachdem, wie es ihm gefallen hat. Und in welchem Eimer der Wasserstand wohl rapide ansteigen wird, ist jedem von uns bereits im Vorfeld klar…

 

Ein bisschen Wehmut ist schon dabei, als wir den Fjord am Abend verlassen und uns der Busfahrer zurück durch die norwegische Landschaft nach Oslo bringt. Am frühen Morgen empfängt uns auch dort strahlender Sonnenschein und wir bilden verschiedene „Interessengruppen“, um die Königsstadt zu erkunden. Nicht nur der berühmte Holmenkollen, der Königspalast und die Festung Akershus stehen auf dem Programm. Der Tag zieht sich durch das breite Spektrum von Kultur und Gesellschaft Norwegens und voller neuer Eindrücke entern wir am späten Nachmittag die „Crown of Scandinavia“, die uns sicher durch die Nacht auf dem Meer nach Kopenhagen bringt. Am Sonntag befinden wir uns dann schon wieder auf der deutschen Autobahn und in dem üblichen Stau – bevor wir alle sicher, müde aber auch mit reichlich Gedanken aus dem Wikingerlager am Fjord wieder in der Heimat eintreffen.

 

 

 

 

 

 

Quelle: http://www.dpsg-ahlen.de/2011/12/sommerlager2011/